ANSBACH/Mittelfranken
Gründung: 1816 - Fläche: 3990 qm

Eingefriedet mit einer in den Jahren 1948/50 neu errichteten Sandsteinmauer befindet sich der Friedhof inmitten eines Wohngebietes der Stadt Ansbach. Der Eingang auf der nördlichen Seite besteht aus einem großen und kleinen Gittertor aus Eisen. Das Areal wird in der Mitte von einem geraden Weg „geteilt“, der zu einem Gedenkstein an der südlichen Einfriedungsmauer führt. Darauf steht:

ISRAELITISCHER FRIEDHOF, ERRICHTET IM 19.JAHRHUNDERT,WÄHREND DES NAZIREICHES DEM ERDBODEN GLEICHGEMACHT. DURCH DAS STAATSKOMMISSARIAT FÜR R.R.P.V. GEMEINSAM MIT DEM STADTRAT ANSBACH 1946 WIEDER HERGESTELLT ERNEUT GESCHÄNDET IN DEN JAHREN 1948 UND 1950. GEBT UNSEREN TOTEN ENDLICH DEN FRIEDEN! (Anm.d.Red: RRVP = Rassisch, Religiös und Politisch Verfolgte).

Mazzewah von Jette Obermeyer sel.A. im Friedhof Ansbach

Bereits Anfang des 14. Jahrhunderts weisen Aufzeichnungen auf eine jüdische Gemeinde bzw. jüdisches Viertel (Vicus Judaeorum) in Ansbach hin. Nach den Jahren des „Schwarzen Todes“ im 14. Jahrhundert, Vertreibung und Pogromen des 16. Jahrhunderts, siedelten sich im 17. Jahrhundert erneut Juden im Markgrafentum Ansbach an. Zu dieser Zeit war das Rabbinat Ansbach mit dem von Würzburg verbunden.
Es hatte seinen Sitz in Gunzenhausen. Anfang des 18. Jahrhunderts war der Hofjude Mordechaj Marx Model Gemeindevorsteher und im Besitz eines privaten Betraumes. Weitere Persönlichkeiten im Ansbach jeder Zeit waren Rabbiner Zirndörfer und der 1723 geborene Arzt und Ichthyologe Marcus Eliezer Bloch. Von Markgraf Karl Friedrich Wilhelm hatte die jüdische Gemeinde in Ansbach 1744 die Erlaubnis erhalten, eine Synagoge innerhalb der Stadt zu errichten.

Die Pläne wurden vom Hofbaumeister Leopold Retti erstellt. Mit den Baumaßnahmen wurde sofort begonnen und schon 1746 konnte die noch heute existierende Barocksynagoge geweiht werden. Ihren eigenen Beth Olam bekam die Gemeinde im Jahre 1816. Vorher musste man die Verstorbenen in Bechhofen bestatten. Laut eines Friedhofsregisters, erstellt von Meir Sternberger im Jahr 1892, war die erste Lewaja von David Sohn des Raw Moshe sel.A. 1812 entschloß man sich, eine jüdische Volksschule zu gründen. Diese wurde jedoch erst im Jahre 1828 eröffnet. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte Ansbach eine kleine Jeschiwa, aus der sich viele Rabbiner und Lehrer rekrutierten. Bis 1893 hieß der Bezirksrabbiner Pinchas Cohen. Im gleichen Jahr wurde auch der Friedhof erweitert.

Das erste Begräbnis im neuen Teil fand am 26.7.1896 statt (Jeanette Lehmann sel.A.). Anfang des 20. Jahrhunderts hatte die Gemeinde außer dem Friedhof und der Synagoge ein Gemeindehaus mit Wohnung, Mikwe und Schulräumen. Eine Heilige Brüder- und Schwesternschaft war tätig. Ferner existierte eine Unterstützungskasse, eine Ortsgruppe des C.V., des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, der Zionistischen Vereinigung und des Keren Kajemet Lejisrael sowie ein Verein für jüdische Geschichte und Literatur.

1929 verstarb der Kantor der Kehilla, Simon Krämer sel.A., der seit 1899 diese Funktion innehatte. Von 1905 bis 1936 war der Industrielle Dr. Ludwig Dieterhofer Vorsteher der Gemeinde. Seiner Initiative war es zu verdanken, dass die Synagoge renoviert und der Friedhof saniert wurde. Doch nur kurze Zeit später – Pogrom 1938 -, wurden diese heiligen Orte geschändet. Die Inneneinrichtung der Synagoge wurde zerstört und die Torarollen vernichtet. Das Taharahaus am Friedhof wurde stark beschädigt und im Jahre 1944 durch die Stadt abgetragen. Von den einst 561 Mazzewot stehen heute noch ca. 108.

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