EUERBACH/Unterfranken
Gründung: 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts - Fläche: 8360 qm

Der Friedhof liegt auf einer Wiesenanhöhe am Rande eines Waldes ca. einen Kilometer westlich der Gemeinde Euerbach entfernt. Der „Weg“ zum Eingangstor führt über eine Wiese. Eingefriedet ist der Gute Ort rundum mit Maschendrahtzaun. Dem Besucher fällt auf, dass der Friedhof in vier große Felder „aufgeteilt“ ist. Gleich beim Eingang ist eine ca. 1200 qm große freie Fläche, d.h. dass kein Mazzewa zu sehen ist. Dahinter stehen dichte Reihen von Grabsteinen (mehr als 1200). Rechts vom Eingang befindet sich der älteste Teil, während die beiden hinteren Felder jüngeren Datums sind. Die ältesten Mazzewot sind kleine Steine, mit einem Bogen abschließend und mit hebräischen Buchstaben beschriftet.

Die jüngeren sind oft künstlerisch verziert (Ornamente, Palmette) und zeigen jeweils die Stilelemente ihrer Zeitepoche. Ein solcher Grabstein ist der von Naftali Avraham (......) sel.A. (........) aus Niederwerrn, ein großer Fürsprecher der jüdischen Gemeinde Euerbach. Diese jüdische Gemeinde rekrutierte sich hauptsächlich aus den im 16. Jahrhundert vertriebenen Juden aus Schweinfurt, die sich in den benachbarten Dörfern Euerbach, Obbach, Niederwerrn, Schwanfeld und Gochsheim neu ansiedelten.1) Einer Eintragung im Euerbacher Zinsbuch zufolge verkaufte der Euerbacher Dorfherr Adam Ulrich von Steinau am 31. Juli 1672 einen Acker an der Hasenklinge unterhalb des „Euerbacher Wäldchens“ and die Judenschaft im Ort zur Errichtung eines Begräbnsplatzes.2) Erste Aufzeichnungen einer Chewra Kaddischa stammen aus dem Jahre 1703.

Die Kehille wurde bis zur zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts von dem „Ritterschaftlichen Oberrabbinatsbezirk“ Würzburg betreut und anschließend bis zum Jahr 1840 war die Gemeinde ein Teil des „Bezirks“ Niederwerrn. Im Jahre 1816 waren von den 463 Einwohnern Euerbachs 68 Juden. Sie besaßen mittlerweile eine Synagoge, eine Mikwe, ein Abstellhäuschen für den Leichenwagen und den Guten Ort. Vergrößert wurde dieser durch einen halben Morgen Land, den die Juden im Jahre 1734 von einem Hans Georg Böhm für 25 Gulden kauften. Um ein Viertel Morgen Land wurde der Friedhof 1835 ein weiteres Mal erweitert.3) Er diente ebenfalls den Kehilles von Obbach, Geldersheim und Kützberg.

Auf dem Gelände des zerstörten historischen jüdischen Friedhofs in Schweinfurt gefundene Knochen wurden im Jahre 1897 ebenfalls auf diesem Guten Ort begraben. Das einst rechts – vom heutigen Eingang aus – stehende Taharahaus (mit einem zusätzlichen kleinen Nebenhaus) wurde 1808 erbaut.4) Der Zeitpunkt des Abrisses (wg. Baufälligkeit oder mutwilliger Zerstörung) ist nicht bekannt. Nachdem am Anfang des 19. Jahrhunderts die jüdische Bevölkerung Euerbachs fünfzehn Prozent ausmachte, nahm danach die Zahl kontinuierlich ab. Anfang des 20. Jahrhunderts waren nur noch vereinzelt Juden in Euerbach ansässig. Die jüdische Gemeinde löste sich auf, der Friedhof wurde jedoch weiter von den umliegenden jüdischen Gemeinden benutzt. Die Synagoge wurde an Privatleute verkauft und daraufhin abgerissen. Während des Naziterrors wurde 1938 der Friedhof geschändet. Am 12. Juli 1939 wurde der Leichenwagen der Chewra Kaddischa abgebrannt. Bei den älteren Bewohnern von Euerbach heißt der Gute Ort noch heute „Bsoulum“ abgeleitet vom hebräischen bes aulom, Haus der Ewigkeit.

1/2/3) Euerbacher Ortschronik
2) Rachinger M. – Geschichts-Facharbeit A.v.H. Gymnasium Schweinfurt

Friedhof Euerbach
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